Seite

Förderkonzept der Hauptschule Warburg

Förderkonzept der Hautpschule Warburg

Philosophie:
Jede Schülerin und jeder Schüler
wird als Individuum
mit ihren und seinen Stärken und Schwächen wahrgenommen und angenommen
und daraus folgernd
bedarfsgerecht und ganzheitlich
gefordert und gefördert.

Entgegen anderer Wahrnehmung in der Bevölkerung sind die Schülergruppen einer
Hauptschule in hohem Maße heterogen in Bezug auf intellektuelle Leistungsfähigkeit,
Deutschkenntnisse, Motivation, Arbeitsverhalten, Bildungseinstellung, Persönlichkeit
und vielem mehr. Hinzu kommen durch unterschiedliche Schulverläufe Altersunterschiede
von bis zu drei Jahren in einer Klasse.
Durch die Fördermaßnahmen sollen die Schülerinnen und Schüler bestmögliche
Förderung erhalten und damit einen adäquaten Schulabschluss (10A oder 10B, evtl.
mit Qualifikation) erlangen. Schulmüdigkeit soll abgemildert, Sitzenbleiben verhindert
werden.
Fördern und Fordern muss spätestens dort einsetzen, wo Schwächen zum Problem
werden oder Stärken sich nicht entwickeln können. Problemschwerpunkte, insbesondere
bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, im Bereich der
Sprachkompetenzen werden erfasst und berücksichtigt.
Aufbauend auf den Grundlagen aus der Grundschule gilt es, alle Schülerinnen und
Schüler ihrem Leistungsvermögen sowie ihren Begabungen und Neigungen entsprechend
zu fördern. Die Stärken und Defizite unserer Schülerinnen und Schüler sind so
unterschiedlich, wie die Schüler und Schülerinnen selbst.
Daher unterliegt das Förderprogramm auch einer gewissen Flexibilität, um individuell
auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen zu können. Wir halten es
für wichtig, dass die Schüler und Schülerinnen durch Förderung und Forderung ihre
Stärken kennen lernen und erweitern, um so ein Selbstbewusstsein zu entwickeln,
das ihnen Zukunftschancen sichert.
Im Einzelnen heißt das:
·  Individuelle Stärken sollen weiterentwickelt, individuelle Schwachpunkte
abgebaut werden.
·  Nichtversetzungen sollen verhindert, Abschlussqualifikationen erhöht und
Anschlussfähigkeiten hergestellt werden.
·  Sprachliche Defizite, gerade auch bei Kindern mit Migrationshintergrund,
sollen reduziert werden.
·  Chancengleichheit soll verhindern, dass soziale Herkunft den schulischen
Erfolg beeinträchtigt (PISA).
Besonderes Augenmerk liegt auf Schülerinnen und Schülern, die
·  im Laufe ihres Schuljahres mit schlechten Lern- und Arbeitsergebnissen in
Gefahr sind, ein Klassenziel nicht zu erreichen (z.B. Klassenarbeiten, Lernzielkontrollen,
mündliche Leistungen).
·  ein Klassenziel nicht erreicht haben und eine Jahrgangsstufe wiederholen.
·  Schulabschlüsse nicht erreichen können.
·  im Hinblick auf Abschlüsse und Übergänge in weiterführende schulische
bzw. berufliche Bildungsgänge individueller Hilfe bedürfen.
Diese Schülerinnen und Schüler benötigen daher gezielte, differenzierte pädagogische
Hilfestellungen, damit Problemstellungen gemildert oder sogar ausgeschlossen
werden.
Wichtig für die effektive Gestaltung der schulischen Lern- und Arbeitsprozesse und
die Erarbeitung individueller Fördermaßnahmen ist die systematische, vertrauensvolle
Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus zum Wohle und im Interesse der
Schülerinnen und Schüler.
Der Schwerpunkt unserer Fördermaßnahmen liegt im sprachlichen Bereich. Unsere
oberste Maxime dabei ist, dass diese Förderung in allen Fächern stattfinden
muss.
Als allgemeinverbindlich gilt daher:
·  Schüler/ Lehrer achten auf die Bildung ganzer Sätze.
·  Schüler setzen Präpositionen richtig ein. Fehlen diese, werden sie vom
Lehrer eingefordert.
·  Schüler bilden keine Sätze mit „tun“ plus Verb.
·  Schüler ersetzen sinnentleerte Wörter wie „cool“ und „geil“.
·  Die Regeln der Rechtschreibung sind in allen Fächern einzuhalten und zu
überprüfen.
Klassenspezifisch bedeutet das für die einzelnen Jahrgangsstufen folgendes:
Klassen 5/6
·  Lesekompetenz (erzählende Texte und Sachtexte)
Lesecurriculum: Die Schüler festigen ihre Lesetechnik und üben sich verstärkt
im sinnentnehmenden Lesen.
Freie Lesezeiten sind fester Bestandteil des Deutschunterrichts.
Die Schüler lesen eine Ganzschrift.
Die Schulbücherei wird benutzt.
Eine öffentliche Bücherei wir besucht.
Die Schüler stellen Bücher vor und geben qualifizierte Rückmeldungen.
Die Schüler nehmen am Antolin-Leseförderprogramm teil.
·  Mündlicher Sprachgebrauch in allen Fächern
a. Wahrnehmungsschulung
- Körpersprache (Nähe und Distanz, Blickkontakt)
- Mimik und Gestik (Erkennen und Imitieren, Wahrnehmen und Äußern)
- Raumverhalten / Körperhaltung (Wirkung der Haltung, Bewegung im
Raum)
b. Sprechübungen
- Artikulation und Modulation (Zungenbrecher, Sprechen mit Korken)
- Sprech- und Zuhörübungen (Nachsprechen und Wiedergeben)
c. Freies Sprechen / Miteinander Reden
- Sprech- / Redeanlässe (Klassenrat, Fragestellen und Bedanken, Tischkommunikation)
- Beschreiben (Barfußpfad, Fühlbox, Bilddiktat)
- Die Schüler gehen höflich miteinander um.
·  Wortschatzerweiterung in allen Fächern
- Grundwortschatz sichern und erweitern
- Fachwortschatz aufbauen
- Die Schüler erweitern ihren Grundwortschatz mit Hilfe von Wortschatzlisten,
die Bezug nehmen zu den Unterrichtsinhalten.
Klassen 7-10
·  Wortschatzerweiterung in allen Fächern
- Fortsetzung der Arbeit in den Klassen 5-6
·  Dilemma- Geschichten
- Die Schüler können mithilfe von Dilemma-Geschichten moralische Positionen
beziehen und argumentativ vertreten.
·  Metakommunikation
- Beobachten und Beschreiben üben
- Unterschied zwischen Beobachtung (Was sehe ich?) und Interpretation
(Was denke ich?) kennen
·  Berufswegeplanung
- Benimm- Unterricht
- Höfliches und selbstsicheres Auftreten
- Sich situativ angemessen kleiden
- Rollenspiel zum Vorstellungsgespräch
Zu Beginn der Schullaufbahn an der Ganztagsschule, also im 5. Schuljahr, stehen
Diagnoseverfahren an, um bis zum ersten Elternsprechtag eine Einschätzung zum
individuellen Leistungsstand zu erhalten.
Als diagnostisches Material werden dazu momentan zwei standardisierte Tests
eingesetzt: HST 4/5, Stolperwörtertest.
Außerdem werden noch der „Unsinns“-Wörtertest und ein Wort- Bild- Zuordnungstest
durchgeführt.
Daneben wird die professionelle Beobachtung aller Kollegen bei der Feststellung des
Lernstandes hinzugezogen. Dazu dienen Beobachtungsbögen, an Hand derer die
Beobachtungen mit wenig Aufwand festgehalten werden können. Diese Bögen sind
in den jeweiligen Doppeljahrgangsstufen unterschiedlich.
In einem Beratungsgespräch erhalten Eltern und Schülerinnen und Schüler die Informationen
zum gegenwärtigen Leistungsstand (Diagnose) und zu den geplanten
Fördermaßnahmen. Für eine erfolgreiche Förderung ist es wichtig, ein erreichbares
Ziel zu formulieren, das in einem für Schüler überschaubaren Zeitraum erreicht werden
soll. (bis zum Ende des 1. Halbjahres). Abschließend wird diese Vereinbarung
schriftlich fixiert und von allen drei Parteien unterschrieben. Diesen „Vertrag“ erhalten
Schule (Schülerakte) und Eltern/Schüler.
Am Ende der festgesetzten Förderzeit wird in einem gemeinsamen Gespräch geklärt,
ob das vereinbarte Förderziel erreicht werden konnte oder ob eine Fortsetzung notwendig
erscheint.
In den Beratungsgesprächen geht es auch darum, Eltern auf mögliche außerschulische
Unterstützungen hinzuweisen, um möglichst umfassend nach Ursachen und
Lösungen für auffällige Schwächen im Lernvermögen und/oder Verhalten eines
Schülers oder einer Schülerin zu suchen. Dabei können folgende außerschulische
Fachkräfte einbezogen werden:
o Sprachheilbeauftragte des Kreises, Herr Fuchs (führt kostenlose Beratungen
durch und gibt Informationen und Ratschläge an die Schule weiter.)
o HNO- Arzt (Ausschluss von pathologischen Befunden wegen mangelnder
Lautwahrnehmung, Lautbildung)
o Ergotherapie (z.B. Schreibhaltung)
o Augenarzt (Sehleistung überprüfen)
Schulorganisatorische Maßnahmen
·  Da wir in der Regel in kleinen Klassen unterrichten können (unter 20 Schülerinnen
und Schüler), gibt es keine zusätzlichen Förderunterricht für die ganze
Klasse. Individuelle Förderung in den Kernfächern geschieht während der regulären
Stunden durch äußere und innere Differenzierung.
·  Unterrichtsgestaltung durch Individualisierung und Differenzierung
- Aufgaben mit unterschiedlichem Niveau
- Spezielles Lern- und Übungsmaterial
- Einsatz von neuen Medien (z.B. Antolin)
- Wochenplanarbeit
- Helfersystem leistungsstarker Schülerinnen und Schüler
- Lesemütter und –väter
·  Zusätzliche Förderung
- Schüler, die ihr Arbeitspensum nicht geschafft haben, können in der 9.
Stunde nacharbeiten.
- Vorübergehende Unterstützung für Schüler vor einer Klassenarbeit
- Leseeinzelförderung während der Betreuung im Trainingsraum
·  Deutsch als Zweitsprache
- Bei Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund wird zunächst
ihr Leistungsstand in der deutschen Sprache erfasst. Dabei geht
es um die Bereiche Sprachverständnis, Leseverständnis, Rechtschreibung
und Informationsentnahme aus diskontinuierlichen Texten.
- Die Förderung erfolgt auch parallel zum Regelunterricht, so dass eine
rasche Eingliederung erfolgen kann.
- Sie erfolgt in Kleingruppen oder einzeln.
·  Projekttage
- Zu Beginn des 1.Halbjahres werden drei Projekttage durchgeführt zu
Beginn des 2. Halbjahres wird ein projekttag durchgeführt.
- Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Methodenkompetenz
erweitern können.
- Die Einführung und vertiefenden Anwendung der einzelnen Methoden
in den verschiedenen Jahrgängen erfolgen nach einem schulinternen
Spiralcurriculum.
·  Arbeitsgemeinschaften
- Förderung von sprachlicher und sozialer Kompetenz durch die Ausbildung
und Teilnahme von Fortbildungsveranstaltungen zum
Schulsanitäter, Streitschlichter oder Buddy
- Förderung des sprachlichen Ausdrucks und der Persönlichkeitsbildung
durch Formen des Theaterspielens
·  Beratungsmaßnahmen
- Lern- und Förderempfehlungen
- Erprobungsstufenkonferenzen
- Teamkonferenzen der einzelnen Klassen
- Möglichkeiten für Einzelgespräche in der Lehrersprechstunde
Ausblick
- Um allen Kollegen das vorhandene Material besser zugänglich machen
zu können, soll ein eigener Raum für Fördermaterialien angelegt
werden.
- Es ist zu überlegen, ob es trotz der schwierigen Stundenplangestaltung
möglich sein kann, ausgewiesene Förderstunden in den Vormittag
zu legen.
- Die Fördermaßnahmen vor allem für die schwierigen Jahrgänge 7
und 8 sollten ausgeweitet werden.
- Im Jahrgang 9 sollte im 2. Halbjahr Förderunterricht in den Kernfächern
für die Schüler eingerichtet, werden, die die Möglichkeit haben,
sich für die Klasse 10B zu qualifizieren.

Keine Kommentare möglich.